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Hallo Welt!

So, jetzt habe ich mich also nach langem Überlegen auch dazu entschlossen, die Welt an meinen immens wichtigen Gedanken und Erlebnissen teilhaben zu lassen. Wie viele andere werde ich natürlich von der Hoffnung geleitet, dass sich auf diese Weise mein ziemlich langweiliges und nichts-sagendes Leben aufwerten lässt. Ein bisschen Internet-Exhibitionismus, ein wenig über dem eigenen Sprachstil formulieren und schon findet man vermeintlich die Anerkennung und Aufmerksamkeit, die man im realen Leben nicht bekommt.. Super! So einfach ist das! Ein nichts erleben tue ich jeden Tag, sodass ich auch immer was zu schreiben haben werde. Voyeure aller Länder vereinigt Euch, es geht los!
3.10.08 11:36


Wiesn! Massenverdummung für Fortgeschrittene

Dass der Durchschnitt der Bevölkerung unter dem Durchschnitt liegt, war mir schon immer bewusst, aber das so viel Spielraum nach unten existiert, hatte ich nicht erwartet! Nachdem ich es die letzten zehn Jahre konsequent vermieden habe, das Oktoberfest zu besuchen (obwohl meine Geschwister seit Jahren in München leben!), war es dieses Mal soweit: Mein erster Wiesn-Besuch. Schon in der U-Bahn auf dem Weg zur Theresienwiese kommen mir erste Zweifel. Lauter verkleidete Leute in Tracht, extrem viele Touristen, viele Menschen, Enge... Der Eindruck auf dem Bahnsteig: Noch schlimmer, denn hier stolpern einem (gegen 15 Uhr!) bereits die ersten Bierleichen entgegen, können kaum noch geradeaus gehen, grölen wunderschöne Lieder. Dazwischen bayrische Lautsprecherdurchsagen und viel Polizei: Weitergehen bittschön! Großartig! Auf der Wiesn selbst potenziert sich das natürlich noch! Noch mehr Menschen, noch mehr Betrunkene! Und das bei gefühlten Minusgraden und Regen. Am auffälligsten: Es sind viele Jugendliche hier, die eindeutig noch nicht trinken sollten, dies aber schon zu genüge getan haben. Minderjährige Mädchen lassen sich von älteren Kerlen abfüllen, Pärchen scheinen sich in dieser Atmosphäre besonders lieb zu haben. Viele unterschiedliche Gerüche von den zahllosen Essensständen, viele Geräusche von vielen Fahrgeschäften, schreiende kleine Kinder, Reizüberflutung! Was will ich hier eigentlich? Von einer Freundin habe ich erfahren, dass die Zelte bereits um 11 Uhr wegen Überfüllung geschlossen wurden, wo soll man hin? Ich entschließe mich, zunächst mit einem altehrwürdigen Karussell zu fahren, das entspannt, nicht zuletzt wegen der Blasmusik, die von einem Musikerquintett zum Besten gegeben wird. Danach: Flucht in ein kleines Kaffeezelt (Mohrenkopf), in das man nach kurzem Warten eingelassen wird. Wenigstens ist es hier warm! Ich trinke einen Latte Macchiato für 4,90 Euro, bewundere zahlreiche Dirndl und beschließe fürs erste, der Wiesn den Rücken zu kehren. Irgendwie hatte ich Spaß erwartet, aber ein solches Gefühl will sich einfach nicht einstellen. Vielleicht habe ich das Fest auf dem falschen Fuß erwischt, vielleicht bringt ein späterer Anlauf die richtige Wiesn-Stimmung....l
4.10.08 12:03


Wiesn - Der Tragödie 2. Teil

Etwas enttäuscht ging ich in den Augustinerkeller, um eine "Kleinigkeit" zu essen. Und was trinkt man dazu in Bayern? Natürlich Bier! Mein Ansinnen, ein kleines Helles zu bekommen (0,5 l), wurde empört zurückgewiesen, denn zu Oktoberfestzeit gibts nur ne Mass. Aha, das hatte mir also gefehlt: Viel Alkohol! Der Schankraum war voller Feierwütiger, am Nebentisch waren ein paar Australier bereits so voll, dass einige am Tisch einschliefen... Der erste Liter war schnell getrunken und ich fühlte mich inzwischen soweit, einen zweiten Versuch zu starten: Zurück zur Wiesn! Und ganz ehrlich, leicht alkoholisiert war das bunte Treiben schon nicht mehr ganz so abstoßend. Dafür war die Luft schlechter - offensichtlich reichten die Toiletten nicht für jedermann... Egal! Mit einem Bändchen einer Freundin meines Bruders, die sich übrigens den Abend mit einem Schild finanzierte, auf dem sie Küsse für einen Euro anbot, gelangte ich endlich in ein Zelt: Pschorr-Bräurosl! Viele tausend Menschen auf engstem Raum, viele in Tracht, die meisten auf den Tischen tanzend und: noch mehr Alkohol. Nach der zweiten Mass war auch die Musik zu ertragen und ich lernte den Unterschied zwischen den einzelnen Dirndln kennen: Klassisch/Traditionell, modisch/aktuell und die sogenannten "Fick-mich-Dirndl", die einfach deutlich zu kurz und mit tiefem Ausschnitt ausgestattet sind: Herzlichen Glückwunsch! Die dritte Mass macht den Aufenthalt weiterhin erträglich, aber dazugehörig fühle ich mich nicht. Es geht mir ein wenig wie Faust auf seinem Osterspaziergang, aber ich habs wenigstens versucht... Die abschließende Achterbahnfahrt nehme ich nur durch einen Schleier war, der Weg zurück versinkt in einem dunklen Loch, vom "Morgen danach" will ich an dieser Stelle nichts berichten, aber es stellte sich im Verlaufe des nächsten Tages ein Gefühl der Leere ein: Das war die berühmte Wiesn, die jedes Jahr Millionen Besucher anzieht? Unverständlich, denn Trinken kann ich auch in meiner Heimat...
4.10.08 17:42





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